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Stundensatz kalkulieren: die Bausteine im Handwerk

Woraus ein kostendeckender Stundensatz besteht: Lohn, Lohnnebenkosten 2026, verrechenbare Stunden, Gemeinkosten und Gewinn – mit WKO-Beispiel.

Daniel Auer, Gründer von apvrosStand November 2026, Rechtslage Österreich · 4 Min. Lesezeit

Inhalt dieses Ratgebers
  1. Die Bausteine
  2. Dienstgeberabgaben 2026
  3. Bezahlte gegen verrechenbare Stunden
  4. Der Rechenweg
  5. Beispiel: WKO-Muster Elektro 2026
  6. Für Bauleistungen: ÖNORM B 2061
  7. Wie apvros dabei hilft
  8. Häufige Fragen
  9. Quellen

Kurz gesagt

Ein kostendeckender Stundensatz verteilt alle Kosten eines Mitarbeiters und des Betriebs auf die Stunden, die Sie Kunden wirklich verrechnen können. Die Bausteine sind Lohn, Lohnnebenkosten samt Sonderzahlungen und Ausfallzeiten, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn. Im WKO-Muster 2026 für einen Elektro-Monteur werden aus 20,29 € Stundenlohn 84,19 € Stundensatz netto.

Die Bausteine

BausteinWas hineingehört
LohnStundenlohn laut Kollektivvertrag, Überzahlung, Zulagen und bezahlte Wegzeit
LohnnebenkostenSonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld), Dienstgeberabgaben, bezahlte Ausfallzeiten (Urlaub, Feiertage, Krankenstand)
GemeinkostenFahrzeuge, Werkzeug, Miete, Büro, Versicherungen, Software, Chef und Büro, soweit nicht verrechenbar
UnternehmerlohnIhr eigenes Einkommen, wenn Sie nicht angestellt sind
Wagnis und GewinnAufschlag für Risiko, Gewährleistung und Investitionen
Umsatzsteuer20 % kommen für den Kunden dazu – bei Privatkunden im Endpreis

Dienstgeberabgaben 2026

AbgabeSatz
Sozialversicherung, Dienstgeberanteil20,98 %
Dienstgeberbeitrag zum FLAF (DB)3,7 %
Zuschlag zum DB (DZ), Tirol0,39 % (je nach Land 0,31 bis 0,40 %)
Kommunalsteuer3 %
Betriebliche Vorsorge (Abfertigung neu)1,53 %

Sätze laut WKO, Stand Jänner 2026, vom Bruttoentgelt. Für Lehrlinge, ältere Mitarbeiter und in Wien (Wohnbauförderung) gelten Abweichungen, im Baugewerbe kommen die BUAK-Zuschläge dazu. Mit Sonderzahlungen und Ausfallzeiten rechnet die WKO im Elektro-Muster mit rund 87 % Lohnnebenkosten auf den Lohn.

Bezahlte gegen verrechenbare Stunden

Der häufigste Fehler: den Stundensatz auf die bezahlten Stunden rechnen. Bezahlt werden auch 5 Wochen Urlaub, 13 gesetzliche Feiertage und der Krankenstand – und von der Anwesenheit ist nicht jede Stunde beim Kunden verrechenbar (Lager, Besorgungen, Gewährleistung). Das WKO-Muster nimmt an, dass produktive Mitarbeiter 85 % ihrer Anwesenheitsstunden verrechnen; das sind rund 1.400 Stunden je Monteur und Jahr.

Die 1.400 Stunden sind unsere Rechnung aus dem WKO-Muster: 21.346 Anwesenheitsstunden für 13 Mitarbeiter, also rund 1.640 je Mitarbeiter, davon 85 %.

Der Rechenweg

  • Lohnkosten je Stunde: Stundenlohn mit Überzahlung, Zulagen und Wegzeit.
  • Lohnnebenkosten dazurechnen – Sonderzahlungen, Abgaben und bezahlte Ausfallzeiten, umgelegt auf die Anwesenheitsstunden.
  • Gemeinkosten des Jahres durch die verrechenbaren Stunden aller produktiven Mitarbeiter teilen.
  • Summe = Selbstkosten je Stunde.
  • Wagnis und Gewinn aufschlagen; wer Skonto gewährt, rechnet es ebenfalls ein.
  • Ergebnis mit dem Markt vergleichen – und einmal im Jahr mit den echten Zahlen nachrechnen.

Beispiel: WKO-Muster Elektro 2026

Musterstundensatz für einen Monteur (Lohngruppe 2, 5 % über Kollektivvertrag) in einem Elektrobetrieb mit 13 Personen, auf Vollkostenbasis:

Position€ je Stunde
Stundenlohn20,29
+ Überzahlung, Wegzeit, Montagezulage4,81
= Lohnkosten25,10
+ Lohnnebenkosten (rund 87 %)21,91
+ Entfernungszulage1,55
+ Gemeinkosten31,62
= Selbstkosten80,18
+ Gewinn (5 %)4,01
= Stundensatz netto84,19
+ Skonto-Reserve (3 %) = Verkaufspreis netto86,80
Verkaufspreis brutto (mit 20 % USt)104,16

Quelle: WKO Tirol, Musterstundensatzkalkulation 2026 Elektro (März 2026). Ihr Satz hängt von Lohn, Gemeinkosten und verrechenbaren Stunden ab und kann deutlich abweichen.

Für Bauleistungen: ÖNORM B 2061

Wer nach ÖNORM-Leistungsverzeichnissen anbietet, kalkuliert meist nach der ÖNORM B 2061 „Preisermittlung für Bauleistungen“ (Ausgabe 1. Mai 2020). Sie beschreibt die Preisbildung mit den K-Blättern – etwa K3 für den Personalpreis und K2 für die Gesamtzuschläge.

Wie apvros dabei hilft

In apvros hinterlegen Sie Stundensätze und Aufschläge; Ihre Positionen rechnen mit Arbeitszeit, Material und Preis und ziehen nach, wenn sich ein Einkaufspreis ändert. Die Nachkalkulation zeigt je Auftrag Soll gegen Ist – Zeit je Einheit und Material zum echten Einkaufspreis. So sehen Sie, ob Ihr Stundensatz in der Praxis hält.

Dacheindeckung Frankfurter Pfanne

Dacharbeiten

Kalkulation je m² – Arbeitszeit, Material und Aufschlag

AnteilMenge × PreisBetrag
Lohn Dachdecker0,6 h × € 62,00€ 37,20
Frankfurter Pfanne10 Stk × € 3,904,10€ 39,0041,00
Dachlatten 30/503 lfm × € 1,20€ 3,60
Aufschlag Material20 %€ 8,528,92
Verkaufspreis je m²€ 88,3290,72
Einkaufspreis gestiegen – die Position rechnet mit.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Handwerker?

Lohn mit Zulagen plus Lohnnebenkosten (Sonderzahlungen, Abgaben, bezahlte Ausfallzeiten) plus Gemeinkosten je verrechenbarer Stunde ergibt die Selbstkosten; darauf kommen Wagnis und Gewinn. Entscheidend ist, alle Kosten auf die Stunden zu verteilen, die Sie wirklich verrechnen – nicht auf die bezahlten.

Wie viele Stunden kann ein Monteur im Jahr verrechnen?

Im WKO-Muster 2026 für Elektrobetriebe sind produktive Mitarbeiter zu 85 % ihrer Anwesenheitsstunden verrechenbar – nach unserer Rechnung rund 1.400 Stunden je Monteur und Jahr. Ihr Wert hängt von Wegzeiten, Lager- und Gewährleistungsarbeit ab.

Wie hoch sind die Lohnnebenkosten in Österreich 2026?

Die Dienstgeberabgaben betragen 2026 rund 30 % des Bruttoentgelts: 20,98 % Sozialversicherung, 3,7 % DB, je nach Land 0,31 bis 0,40 % DZ, 3 % Kommunalsteuer und 1,53 % Betriebliche Vorsorge. Mit Sonderzahlungen und bezahlten Ausfallzeiten rechnet die WKO im Elektro-Muster mit rund 87 % auf den Stundenlohn.

Was ist der Unterschied zwischen Stundenlohn und Stundensatz?

Der Stundenlohn ist, was der Mitarbeiter je Stunde brutto bekommt. Der Stundensatz ist, was Sie dem Kunden je Stunde verrechnen – mit Lohnnebenkosten, Gemeinkosten und Gewinn. Im WKO-Muster 2026 werden aus 20,29 € Stundenlohn 84,19 € Stundensatz netto.

Quellen

Stand November 2026, zuletzt durchgesehen am 5. November 2026. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für Ihren Einzelfall fragen Sie Ihre Steuerberatung, Ihre Kammer oder einen Rechtsanwalt.

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